Abwasser im ländlichen Raum

Auf dieser Seite versuchen wir, häufig gestellte Fragen zum Thema «Abwasser im ländlichen Raum» möglichst kurz und einfach zu beantworten und allenfalls auf weiterführende Informationen zu verweisen.

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Allgemeines

Wer ist zuständig bei Fragen über Kanalisationsanschluss, Bau einer Kleinkläranlage oder Wahl einer anderen Abwasserlösung im ländlichen Raum?

Für Abwasserfragen im ländlichen Raum (ausserhalb der Bauzonen) sind meist die kantonalen Gewässerschutzfachstellen zuständig und Ansprechpartner. Diese geben Auskunft über Anschlusspflichten an die öffentliche Kanalisation, Wahl von Abwassersystemen, Stand der Technik usw. oder verweisen an die zuständigen Stellen. Insbesondere der VSA-Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» gibt dazu viele Hinweise.

Ab wann muss ich eine Abwasserlösung realisieren? Was geschieht, wenn bei einer Liegenschaft die Gewässerschutzbedingungen nicht sicher erfüllt sind? Kann ich gezwungen werden, etwas zu tun?

Damit eine Baubewilligung durch die Gemeinde für Neu- oder Umbauten erteilt werden kann, muss der Gewässerschutz erfüllt sein. Im Bereich der öffentlichen Kanalisation muss ein Anschluss realisiert werden. Ausserhalb des Bereichs der öffentlichen Kanalisation muss eine Abwasserlösung nach dem Stand der Technik erstellt werden.

Im Rahmen der Entwässerungsplanung kann die Gemeinde eine Abwasserlösung verfügen. Dies geschieht oft gebietsweise.

Eine Abwasserlösung muss nach dem Stand der Technik erstellt werden. Wer legt den Stand der Technik fest? Gibt es dazu Normen, Richtlinien oder Weisungen? Braucht es eine Zulassung für einen bestimmten Typ Kläranlage?

Abwasserleitungen sind nach der SIA-Norm 190 Kanalisationen und der Schweizer Norm SN 592'000 Liegenschaftsentwässerung zu erstellen.

Kläranlagen sind nach dem Stand der Technik zu erstellen. Es gibt in der Schweiz keine Normierungs- und keine Zertifizierungsstelle, dies im Gegensatz z.B. zu Deutschland, wo dies durch den DWA geschieht.

Der Stand der Technik wird durch die Gewässerschutzfachstellen der einzelnen Kantone festgelegt. Der VSA-Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum», die Richtlinie «Kleinkläranlagen», das Herstellerverzeichnis und weitere Angaben in diesem Bereich der VSA-Webseite liefern dazu eine Grundlage. Die Neuerstellung und die Änderung von Abwasseranlagen sind in den meisten Kantonen bewilligungspflichtig.

Ich habe gelesen, dass es hochmoderne Kleinkläranlagen gibt, die mittels Membranfiltration gereinigtes Abwasser mit sehr hoher Qualität produzieren. Ich werde am Rand einer Bauzone ein neues Haus bauen und würde gerne so eine Kleinkläranlage einbauen. Kann ich damit die Abwassergebühren vermeiden? Kann ich dieses Wasser dann für die Waschmaschine verwenden?

Es gibt tatsächlich Kleinkläranlagen, die gereinigtes Abwasser von hoher Qualität produzieren. Dabei handelt es sich oft um eine Kombination von biologischen Verfahren mit einer Membranstufe (Mikro- oder Ultrafiltration). Selbstverständlich ist es erlaubt so eine Kleinkläranlage einzubauen. Unter Umständen ist es sogar sinnvoll, das gereinigte Wasser zu sammeln und für die Toilettenspülung zu verwenden. Kritischer wird es bei anderen Anwendungen, wie beispielsweise Wäsche waschen oder Gartenbewässerung. Das Abwasser hat auch nach der Reinigung in der Regel einen leichten Gelbstich. Zudem ist nicht zwingend eine ausreichende Hygienisierung gewährleistet. Die Gartenbewässerung ist kritisch, weil es sich dabei um die Versickerung von Abwasser handelt, die grundsätzlich verboten ist, resp. einer Ausnahmebewilligung des Kantons bedarf.

Befindet sich das Gebäude im Bereich der öffentlichen Kanalisation, ist ein Anschluss daran gesetzlich vorgeschrieben. Das gereinigte Abwasser muss also in die öffentliche Kanalisation eingeleitet werden.

Betrieb und Unterhalt von Kleinkläranlagen

Welchen Aufwand erfordert der Betrieb und Unterhalt einer Abwasseranlage und wie werden die Kosten ermittelt? Wer ist dafür zuständig?

Der Aufwand und die Kosten für den Betrieb und den Unterhalt können stark variieren. Einerseits ist der Aufwand teilweise nicht zu unterschätzen, andererseits gibt es viele sehr robuste Anlagen. Einen Miteinbezug dieser Faktoren schon bei der Auswahl der Anlage lohnt sich ganz bestimmt.

Zuständig sind für die wöchentlichen Kontrollen die Hauseigentümer selber. Die Serviceunternehmer (meist sind dies die Vertriebsfirmen) kontrollieren die Anlagen und warten diese ein bis mehrmals pro Jahr. Die meisten Kantone schreiben einen solchen Service vor und viele Kantone kontrollieren zudem die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ablaufwerte. Grössere Anlagen können durch Fremdfirmen oder Klärwärter betreut werden. Der Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» gibt weitere Informationen zu diesen Themen.

Wer macht den periodischen Service bei einer Kleinkläranlage und ist dieser obligatorisch? Gibt es Vorgaben der Behörden?

Die Serviceunternehmer (meist sind dies die Vertriebsfirmen) kontrollieren die Anlagen und warten diese ein bis mehrmals pro Jahr. Die meisten Kantone schreiben einen solchen Service und den Serviceumfang in ihrer Bewilligung vor und verlangen eine qualitative Beurteilung der Anlage und des Kläranlagenauslaufs. Grössere Anlagen können durch Fremdfirmen oder Klärwärter betreut werden. Der Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» gibt Informationen zum Betrieb und Unterhalt der Anlagen und beinhaltet Musterserviceverträge und -anleitungen.

Abwasserentsorgung in der Landwirtschaftszone

Wir haben einen Landwirtschaftsbetrieb und verfügen über genügend Lagerraum für unsere Rindergülle von mehr als 8 DGVE. Dürfen wir das Abwasser in unsere Güllegrube einleiten?

Ja. Als Landwirte ausserhalb der Bauzonen und mit einem erheblichen Rindvieh- oder Schweinebestand von mehr als acht Düngergrossvieheinheiten (DGVE) darf das häusliche Abwasser zusammen mit der Gülle landwirtschaftlich verwertet werden. Voraussetzung dafür ist eine dichte Güllegrube mit ausreichendem Stapelvolumen für die Wintermonate und genügender Ausbringfläche.

Ich wohne in einem alten, umgebauten Bauernhaus ausserhalb der Bauzone und übe keine landwirtschaftliche Tätigkeit mehr aus. Der ehemalige Stall wird nun umgebaut, so dass nachher drei Wohnungen darin Platz finden. Die Gemeinde macht nun die Auflage, dass das Haus an die Kanalisation angeschlossen werden muss. Darf sie das?

Da sie nicht mehr Landwirt sind und somit nicht mehr mindestens acht Düngergrossvieheinheiten (DGVE) Tiere aufweisen, darf das häusliche Abwasser nicht mehr zusammen mit dem Hofdünger landwirtschaftlich verwertet werden. Sofern die Zweckmässigkeit und die Zumutbarkeit bejaht werden muss, ist ein Anschluss an die öffentliche Kanalisation gemäss Gewässerschutzgesetz im Rahmen der Umnutzung oder des Bauvorhabens zwingend zu realisieren. Ist ein Anschluss an die öffentliche Kanalisation nicht mehr zweckmässig oder zumutbar, so kann von einem Anschluss abgesehen werden. Es muss dann eine dem Stand der Technik entsprechende andere Abwasserbeseitigung realisiert werden.

Welche Tierhaltung muss ich auf meinem Betrieb haben, damit ich mein häusliches Abwasser landwirtschaftlich verwerten kann?

Gemäss aktueller Gesetzgebung sind 8 Düngergrossvieheinheiten (DGVE) Rindvieh- oder Schweinebestand erforderlich.

Darf ich häusliches Abwasser meiner Nachbarn in meine Güllegrube einleiten und landwirtschaftlich verwerten?

Nein. Es darf nur häusliches Abwasser aus dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb in die Güllegrube eingeleitet werden.

Ich habe zu wenig Lagerplatz für die anfallende Gülle. Wir verfügen über einen Kanalisationsanschluss. Darf ich die überschüssige Gülle in die Kanalisation einleiten?

Nein. Gülle ist ein Düngemittel und darf nicht auf eine ARA abgeleitet werden. Sie muss landwirtschaftlich verwertet werden.

Schlämme und Rückstände

Wohin muss ich mit meinem Schlamm aus der Kleinkläranlage?

Der Schlamm ist auf einer genügend leistungsfähigen kommunalen ARA zu entsorgen. Die kantonale Fachstelle kann bei weit abgelegenen und schlecht zugänglichen Liegenschaften Ausnahmen für eine Ausbringung auf dem Feld erteilen.

Unser selten genutztes Ferienhaus hat eine abflusslose Grube. Was muss ich machen, wenn die Grube voll ist?

Der (ungereinigte) Inhalt der Grube muss ausgepumpt und auf einer kommunalen ARA entsorgt werden. Die kantonale Fachstelle kann bei weit abgelegenen und schlecht zugänglichen Liegenschaften Ausnahmen für eine Ausbringung auf dem Feld erteilen.

Ich habe eine Chemietoilette in meinem Ferienhaus? Was muss ich mit diesen Rückständen machen?

Rückstände aus Chemietoiletten sind auf genügend leistungsfähigen kommunalen ARA zu entsorgen, Rückstände aus einer Trockentoilette können mit dem Hauskehricht entsorgt werden.

Darf ich die Rückstände einer Absetzgrube, einer Rottengrube, eines Abwasserfaulraumes, einer Klärgrube oder dergleichen landwirtschaftlich verwerten?

Nein. Rückstände aus Absetzgruben, Rottengruben, Abwasserfaulräumen, Klärgruben oder ähnlichem sind im weitesten Sinne den Schlämmen aus Kläranlagen gleichzusetzen. Sie sind auf eine genügend leistungsfähige kommunale ARA zu entsorgen. In einzelnen Fällen mit sehr hohem Anteil an Fremdkörpern / Unrat ist eine Entsorgung als Abfall notwendig.

xeiro ag