Abwasser im ländlichen Raum

Der schweizerische ländliche Raum (Gebiete mit ländlichem Charakter, ausserhalb der Bauzonen, oft im Berggebiet oder weit abgelegenem Gebiet, Hochgebirge etc.) bietet vielfältige Nutzungen an und ist damit auch ein schützenswertes Gut. Insbesondere in siedlungswasserwirtschaftlicher Hinsicht (Wasserversorgung und Abwasserentsorgung) darf seine Bedeutung nicht unterschätzt werden. Das Wasservorkommen vor allem im ländlichen Raum ist unser wichtigstes Lebensmittel und darf nicht durch menschliche Einwirkungen beeinträchtigt werden.

Das CC Siedlungsentwässerung befasst sich mit diesem ganzen Themenkomplex. Die Thematik beinhaltet alles häusliche Abwasser, das ausserhalb des Siedlungsgebietes, resp. des Bereichs der öffentlichen Kanalisation anfällt. Konkret handelt es sich beispielsweise um dauernd oder nur temporär bewohnte Liegenschaften ausserhalb der Bauzone, Bauernhöfe, Ferienhäuser, Lagerhäuser, Gastronomiebetriebe etc., aber auch mit häuslichen Abwässern aus der Landwirtschaft. Solche Liegenschaften stehen häufig in einer relativ unberührten Natur, deshalb muss das anfallende Abwasser möglichst umweltschonend entsorgt werden.

Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie Abwässer entsorgt werden können: Anschluss an ein bestehendes Kanalisationssystem, Speicherung und Abtransport sowie Behandlung vor Ort. Einen groben Überblick über das Thema gibt die VSA-Broschüre «Abwasser im ländlichen Raum» (französisch, italienisch, rätoromanisch).

Anschlusssysteme

Grundsätzlich ist bei einer Abwassersanierung in erster Priorität der Anschluss an die öffentliche Kanalisation zu prüfen. Er ist in den Bauzonen und im Rahmen der Zweckmässigkeit und der Zumutbarkeit sogar zwingend. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Leitungs- und Pumpsystemen, die hierzu zur Anwendung kommen können. Eine detaillierte Übersicht findet sich im VSA-Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» (Bestellung).

Lokale Massnahmen

Ist ein Kanalisationsanschluss nicht zumutbar, so ist eine Lösung nach dem Stand der Technik erforderlich. Das Abwasser kann vor Ort gespeichert und anschliessend auf eine kommunale Kläranlage abtransportiert oder in einer mechanisch-biologischen Kleinkläranlage behandelt werden. In der Schweiz sind hunderte solcher Anlagen mit verschiedensten technischen oder naturnahen Systemen im Einsatz. Grösse und Verfahren hängen jeweils von verschiedenen Faktoren, beispielsweise der Belastung, Energiesicherheit, Klima, Platz etc. ab. Zudem wird intensiv an neuen und alternativen Systemen, beispielsweise mit separater Sammlung und Aufbereitung einzelner Abwasserströme (z.B. Urin, Fäkalien, Grauwasser) geforscht. Ein Überblick über Anlagen nach dem Stand der Technik bietet der VSA-Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» (Bestellung) und die Richtlinie «Kleinkläranlagen» (Bestellung) des VSA.

Landwirtschaft

Für häusliche Abwässer von Landwirtschaftsbetrieben gelten grundsätzlich dieselben Vorschriften für den Anschluss an die öffentliche Kanalisation, respektive an die öffentliche ARA wie bei anderen Liegenschaften im ländlichen Raum. Unter gewissen Umständen können Landwirtschaftsbetriebe jedoch eine Sonderregelung beanspruchen. Bei einem erheblichen Rindvieh- oder Schweinebestand von mehr als 8 Düngergrossvieheinheiten (DGVE) darf das häusliche Abwasser zusammen mit der Gülle landwirtschaftlich verwertet werden. Voraussetzung dafür ist eine dichte Güllegrube mit ausreichendem Stapelvolumen sowie eine genügende Ausbringfläche.

Ein Landwirtschaftsbetrieb unterhält neben den häuslichen Abwässern diverse Lagereinrichtungen für Gülle, Mist, Futtersilage und Pflanzenschutzmittel, welche konform erstellt und entwässert werden müssen. Bei der Entwässerung des Betriebes ist speziell darauf zu achten, dass auch bei Leckagen und Unfällen keine flüssigen Hofdünger oder wassergefährdenden Flüssigkeiten via Drainagen, Regenwasserleitungen oder Direktabflüsse in Oberflächengewässer oder via Versickerungsanlagen ins Grundwasser gelangen können.

xeiro ag